Genua – Genua ist eine Stadt, in der man leicht Fernweh bekommt. Es riecht nach “großer weiter Welt”, das Mittelmeer ist allgegenwärtig und bestimmt den Alltag. Das war auch 1451 schon so, als Christoph Kolumbus in der Metropole Liguriens geboren wurde. Da lag seine Plan, den westlichen Seeweg nach Indien zu erkunden, nicht fern. Auch die meisten Touristen kommen heute nur nach Genua, um der norditalienischen Stadt gleich wieder den Rücken zu kehren und an Bord zu gehen. Denn hier starten viele Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren nach Sardinien, Korsika oder Sizilien. Doch auch die Stadt selbst ist eine Reise wert.

Die Straßen des verkehrsberuhigten Zentrums sind teilweise so eng, dass sich die Bewohner durch gegenüberliegende Fenster die Hände schütteln können. Wäsche hängt über den Gassen, Händler verkaufen Obst und Fisch, und Straßenmusiker untermalen das südländische Flair stimmungsvoll.

Via_Garibaldi_Genova
Via Garibaldi

“Genua ist unbeschreiblich schön, prächtig, charakteristisch”, hat der Komponist Richard Wagner die heute 700.000 Einwohner zählende Stadt einmal beschrieben. Und “prächtig” ist tatsächlich das Wort, das die Palazzi rund um die Einkaufsstraßen Via BalbiVia Cairoli und Via Garibaldi am besten charakterisiert. “La Superba” – die Stolze – nennen die Italiener Genua wegen dieser eindrucksvollen Paläste, die bis zu sieben Stockwerke hoch in den Himmel ragen. Häufig beherbergen sie Gemäldesammlungen oder überraschen mit reizenden Innenhöfen.

Vom mittelalterlichen Palazzo Ducale an der Piazza Matteotti, dem ehemaligen Sitz der genuesischen Dogen, ist es nur ein kurzer Fußweg bis zum Hafen, der als einer der größten im Mittelmeerraum gilt. Stararchitekt Renzo Piano hat ihn anlässlich der Kolumbus-Feiern und zur Eröffnung der Expo 1992 komplett neu gestaltet. “Ein Hafen ist nun einmal ein Hafen”, sagte er damals – und meinte wohl, dass man auch als moderner Baumeister daraus nur schwer etwas anderes machen kann. Dennoch gelang es Piano, der selbst Genueser ist, eine Brücke zwischen Moderne und historischen Bauten zu schlagen und das Viertel in einen Ort der Entspannung und des Zeitvertreibs zu verwandeln.

Palazzo Ducale
Palazzo Ducale

Neben der surreal anmutenden Konstruktion “il Bigo“, in der ein Panoramaaufzug aus Glas integriert ist, beherbergt Genuas Hafen heute auch eines der größten Aquarien Europas. In mehr als 50 Becken tummeln sich Seesterne, Delfine, Haie, Seehunde und Pinguine. Das antike Baumwolllager beherbergt Restaurants, Geschäfte und Kinos, die “Kinderstadt” gilt als größter Vergnügungsort seiner Art in Italien.

Lanterna

Lanterna
Lanterna

Und über allem thront die “Lanterna“, das Wahrzeichen der Stadt. Wer den 76 Meter hohen Leuchtturm besteigt, der hat ein herrliches Panorama vor Augen. Im Vordergrund liegen der Hafen und das Meer, dahinter erheben sich die mit Forts und Resten der Befestigungsmauer gekrönten Hügel, auf denen sich Genua in Pastellfarben dahinstreckt.

 

Acquario

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In dem berühmten Aquarium im Alten Hafen leben allein 6000 Tierarten aus Meer und Küstenbereich. “Stars” sind die Haie, die Lieblinge sind die Delphine und die Pinguine. Jährlich kommen 1,5 Mio. Besucher! Von den Einnahmen wird viel investiert in den Wissenschafts- und Tierschutzbereich, der als beispielhaft gilt, mit Forschungsprojekten und Umweltaktionen. Auch kommen ständig Attraktionen aus der Tierwelt hinzu, die neueste Errungenschaft ist ein artgerechtes Terrarium mit Schildkröten aus Madagaskar.

 

 

Biosfera von Renzo Piano

Biosfera von Renzo Piano

Seit Oktober 2003 beherbergt die berühmte, architektonische Anlage von Renzo Piano, die Blase genannt wird, ein reiches Sortiment tropischer, sich untereinander ergänzender Organismen. Die historischen, botanischen Sammlungen der Stadt Genua haben eine Gruppe ausgewachsener, tropischer Bäume geliefert, die sehr selten zu sehen sind: Abgesehen von den bekannten Baumfarnen, vielleicht den größten, die jemals in Töpfen gezogen wurden, gibt es auch verschiedene Pflanzen, die dem Menschen nützlich sind und auf die dringende Notwendigkeit hinweisen sollen, den Regenwald für die Menschheit zu erhalten, da der Ertrag jedes Hektars dieses Waldes bis heute höher ist, als seine Rodung an Geld einbringt (Beispiele: Gummi, Kaffee, Kakao).

 


Kathedrale San Lorenzo

Errichtet um 1098 und erweitert im Laufe der folgenden Jahrhunderte, bewahrt diese prächtige Kathedrale feierlich die unbezahlbaren Aschen von Sankt Johannes dem Täufer, Patron der Stadt Genua. Unbedingt sehenswert ist auch das Museum des Schatzes unter der Kathedrale und das Diözesan Museum. Eindrucksvoll ist die mehr als 1000 Jahre alte Kathedrale San Lorenzo, deren Innenraum mit einer Mischung aus strenger Gotik und üppigen barocken Verzierungen aufwartet. Außen ist die Kirche von zwei Glockentürmen, der typischen genuesischen Schwarz-Weiß-Fassade, und prunkvollen Portalen geprägt.

casa di colombo
Kolumbus-Haus

Genua-Besucher sollten auch das im 18. Jahrhundert erbaute Kolumbus-Haus an der Piazza Dante besichtigen.

Abends laden die Restaurants in der Altstadt zum Schlemmen ein. Genua ist schließlich die Heimat des berühmtesten Gerichts Liguriens: Pesto alla genovese. Neben Basilikum werden für die grüne Pasta-Sauce auch Parmesan- und Pecorino-Käse, Olivenöl, Knoblauch und Pinienkerne zermalmt. Köstlich ist auch die warme Focaccia, ein Fladenbrot aus Mehl, Salz, Trockenhefe und Olivenöl. Zufrieden werden Besucher danach mit dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert übereinstimmen, der im 19. Jahrhundert einmal schrieb: “Jetzt bin ich in einer schönen Stadt, in einer wirklich schönen Stadt: Genua”.

 

Genua ultima modifica: 2014-02-20T12:21:27+00:00 da admin

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