Genua ist eine enge zwischen Hügeln und Meer eingekeilte Stadt, ein Labyrinth aus Straßen und Gassen, ein Auf und Ab, hohe Gebäude und versteckte Innenhöfe, ohne je zu erahnen, was hinter der nächsten Ecke wartet. Vielleicht eine kleine Kapelle, einen Balkon voller Geranien oder eine herrschaftliche Residenz der Familie Doria.

Als Stadt am Meer ist das wahre Wesen Genuas durch den Hafen geprägt. Dort nämlich, durch das ständige Kommen und Gehen von Menschen unterschiedlichster Herkunft, bildet sich jene Mixtur aus Identitäten und Kulturen, die man dann auch in der Stadt wieder finden kann.

Es ist leicht, sich in Genua zu verlieben: Ein Bummel durch das historische Zentrum, das, wie die “Palazzi dei Rolli”, in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde, der Duft von ofenfrischer Focaccia, kleine Plätze, die sich unerwartet auftun und den Blick auf kleine Brunnen mit sprudelndem Wasser freigeben, Tauben, die um ihn flattern, ein paar Kätzchen, zusammengekauert und schläfrig, das Meer, das zwischen engen Palazzi hervorschaut, wenn man es am wenigsten erwartet.

Wer meint, dass Genua nur Aquarium bedeutet, der sollte die folgenden 10 Erfahrungsberichte lesen, unverzichtbare Erlebnisse, um sich in Genua zu verlieben: Eine versteckte Stadt, mit all ihren Schätzen, die entdeckt werden wollen!

1- Genua von oben entdecken

Es gibt nichts Aufregenderes als mit dem Jugendstil-Aufzug von Castelletto zum Belvedere Luigi Montaldo hinaufzufahren, einem überwältigenden Aussichtspunkt, wie ein Balkon auf das historische Zentrum; er wurde von dem Dichter Giorgio Caproni mit den folgenden Versen bedacht: “Wenn ich mich entscheiden werde / ins Paradies zu gehen / werde ich dafür den Aufzug nehmen/ nach Castelletto”.

Man nimmt den Aufzug, Tragkraft bis zu 20 Personen, in Piazza Portello und überwindet einen Höhenunterschied von 57 Metern. Den Blick, den man, kaum dem Aufzug entstiegen, von Spianata Castelletto aus genießen kann, ist außergewöhnlich: Das historische Zentrum, der Hafen aber auch der Monte Fasce, der die Stadt dominiert, der Monte di Portofino und im Westen die Küste Savonas mit den See-Alpen, im Winter noch mit Schnee.

Von hier aus kann man leicht wieder hinuntergehen, man nimmt eins der vielen Gässchen (“Creuze”), in denen es nach Glyzinien und Jasmin duftet und ist in wenigen Minuten wieder im Herzen der Stadt.

spianata-castelletto

Sehen Sie die 360°-Rundsicht >>

 

 

2- Erleben Sie das goldene Zeitalter von Genua: die Palazzi dei Rolli

Die Rolli von Genua oder, genauer gesagt, die Liste der öffentlichen Gebäude, waren zur Zeit der antiken Republik Genua eine Anzahl von Palästen und Nobelresidenzen adliger Familien, die hohen Persönlichkeiten bei Staatsbesuchen Unterkunft gewähren sollten. Der Prinz der Republik Genua, Andrea Doria, ließ 1576 eine offizielle Liste aufstellen und von den 80 Palazzi sind gute 42 Weltkulturerbe der UNESCO. Unbedingt soll man die Musei di Strada Nuova (Museen der “Neuen Straße”) besichtigen, die Palazzo Rosso, Palazzo Bianco und Palazzo Tursi einschließen und auch noch Palazzo Reale und Palazzo Spinola di Pellicceria, mit Werken von Künstlern wie Rubens und Van Dyck.

Behalten Sie eine Veranstaltung im Auge, die Rolli Days genannt wird, ein Spezial-Wochenende, an dem einige der schönsten Palazzi (von Privatpersonen, Institutionen und Banken) für das Publikum geöffnet werden.

rolli_08

3- Zwischen Eichhörnchen, Rosen und Klippen spazierengehen

Nervi ist das letzte Viertel Genuas, am extremen Ende von “Levante” (der östlichen Riviera). Früher war es eine selbstständige Gemeinde, in den zwanziger Jahren wurde es dem großen Genua “einverleibt”, ohne dass es dabei seine Identität verloren hat: ein bisschen schick, ein bisschen aristokratisch.

Vom Zentrum ist es eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt und man kann sich inmitten von wunderbaren Parks wieder finden: Die Parks von Nervi, das sind 10 Hektar englischer Rasen mit Palmen, Strandkiefern und Wegen im Grünen, wo man sich hinlegen, Ball spielen, Picknicke improvisieren, mit dem Fahrrad herumfahren kann.

parchi-nervi

Ein wahres Vergnügen für Groß und Klein!

Und wenn Sie nach dem Spiel mit den zahlreichen Eichhörnchen, die im Park leben, noch Lust auf Sonne oder Wasser haben, dann können Sie die Badesachen anziehen und runter zum Meer gehen: bei den 2 km der Promenade Anita Garibaldi, die den Hafen von Nervi mit Capolungo verbindet, können Sie sich einen Felsen nach Ihrem Geschmack auswählen, ein Badetuch ausbreiten und das Meer genießen. Ein Aperitif oder ein Eis auf der Promenade bei Sonnenuntergang sind wirklich unvergessliche Erlebnisse!

genova-parchi-nervi_500x374

 

4- Entdecker spielen im Schloss D’Albertis

Zum Castello D’Albertis (Schloss D’Albertis) gelangt man mit dem Aufzug von Montegalletto und nachdem man die Schwelle überquert hat, taucht man augenblicklich in eine Atmosphäre wie im Fantansy-Film ein.

Das Schloß wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Resten von Befestigungen aus dem 16. Jahrhundert erbaut und ist ein Zusammenspiel von Elementen, die Teil eines “imaginären Mittelalters aus dem 19. Jahrhunderts” zu sein scheinen: Architektur der Geschichte Genuas neben Elementen in arabischem, orientalischem und exotischem Stil.

Sein Schöpfer war der Kapitän Enrico Alberto d’Albertis: ungezähmter Entdecker, Radsportler, Amateur-Archäologe, Liebhaber von Jagd und Sanduhren.

Und deshalb ist es kaum verwunderlich, dass hier auch das Museo delle Culture del Mondo (Museum für Weltkulturen) seinen Platz hat, Ausgangspunkt für eine wunderschöne Reise in Raum und Zeit.

castello-dalbertis

 

5- Ins Meer springen mit der Seilbahn von Righi

Es gibt nicht nur Aufzüge in Genua, sondern auch Seilbahnen. Eine davon ist die Seilbahn Zecca-Righi, die mit nur 5 Haltestellen und einem Höhenunterschied von 278 Metern vom Zentrum bis hinauf zu den Höhenlagen von Righi fährt. Ein atemberaubendes Panorama und verschiedene Wege und Gässchen, um in die grüne Welt des Parco delle Mura (Park der Mauern) einzutauchen und die Festungen zu erreichen, die die Stadt beherrschen. Eine Erfahrung, die man nicht verpassen darf, ist die Rückfahrt bergab mit der Seilbahn: Das ist, als ob man ins Meer springen würde!

1317310698758_Turismo_liguria_FUNICOLARE_RIGHI

 

6- In einem Fischerdorf mitten im Stadtzentrum: Boccadasse

Boccadasse ist ein kleines Seefahrerdorf, das genau so geblieben ist, wie es vor 100 Jahren war: So, als wenn eine Ansichtskarte lebendig würde.

Die Boote, die Fischer, die ihre Netze flicken, die Kinder, die Steinchen ins Meer werfen, die Möwen… Boccadasse ist der ideale Ort, um sich in der Mittagspause oder nach einem Arbeitstag einen Moment auszuruhen und zu entspannen. Nehmen Sie ein Eis, genießen Sie ein romantisches Abendessen in einem der Restaurants steil über dem Meer oder kosten Sie einfach ein bisschen vom Zauber dieses Ortes und seiner Einwohner, einer der Lieblingsorte von Gino Paoli oder auch Andrea Camilleri, denn Livia, die Verlobte von Kommissar Montalbano, lebt genau hier in Boccadasse.

ge-boccadasse-sera-01

7- Entdecken Sie eins der ältesten Take-away-Restaurants: zwischen Panissa und Frisceau

Wenn man durch die engen Gässchen Genuas geht, muss man unbedingt einen Halt bei den antiken Bratküchen von Sottoripa einlegen: gebratener Tintenfisch, “Pignolini” (Jungfisch), “Panissa” (Fladen aus Kichererbsenmehl), “Frisceau di Baccalà” (Krapfen mit gesalzenem Kabeljau), “Farinata” (dünne Fladen), Gemüsekuchen… In ein Blatt Altpapier eingewickelt, fettig, warm und knusprig, genießen Sie Ihre Leckerbissen und spazieren Sie zwischen Läden und kleinen Geschäften unter den Arkaden von Sottoripa, den ältesten öffentlichen Arkaden, von denen man in Italien weiß (sie wurden nämlich zwischen 1125 und 1133 gebaut).

collage4

8- Das pulsierende Herz der Stadt entdecken: das Hafengelände

“Wer Genua betrachtet muss weiß, dass man Genua nur vom Meer aus sieht”, sang der Genuese Ivano Fossati. Genua vom Meer aus sehen und seinen Hafen entdecken ist eine einzigartige Erfahrung, um die Geheimnisse einer Stadt zu entdecken, die man nur schwer wirklich kennenlernt, deren Hafen die Geschichte des Mittelmeers geschrieben hat. Man taucht in eine neue, vollkommen andere Realität ein: Eine privilegierte Perspektive um Kuriositäten zu entdecken und “La Superba” (Genua, die Stolze) in vollem Glanz zu sehen.

portoantico

 

9- Dicke Bohnen und Salami essen gehen – Mit der Lokalbahn nach Casella

Ein Ausflug ins Hinterland mit der Lokalbahn von Casella, das ist unter den Genuesen so Sitte.

Tre-valli-una-ferroviaDie Lokalbahn Genua – Casella ist eine der wenigen italienischen Eisenbahnen mit reduzierter Spurbreite, die bis heute überlebt hat. Sie wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts gebaut, um die Täler ohne Verkehrsverbindungen zu versorgen.

Außer ihrer Bedeutung als Verbindungsmittel zwischen der Stadt Genua und seinem unmittelbaren Hinterland hat die Eisenbahn auch eine beträchtliche Funktion für den Tourismus, nicht zuletzt auch dank der Restaurierung einiger historischer Waggons in den 90-er Jahren; so entstand ein authentischer Oldtimer-Zug mit der ältesten noch funktionierenden elektrischen Lokomotive Italiens, die 1924 gebaut und nun zu antikem Glanz in rot-beiger Farbe zurückgebracht und mit vielen epochentypischen Details wie Scheinwerfer und mit Zinnen versehene Deckenlampen geschmückt wurde. Im Züglein scheint die Zeit still zu stehen: Sitzbänke aus Holz, ein Schaffner, der die Fahrkarte mit einem Locher knipst, die steilen Schluchten, die in Täler auslaufen, ein unverzichtbares Panorama.

Ein Ausflug mit dem Zug ist ein, vor allem bei Familien sehr beliebtes Erlebnis. Man kann in Pino oder Torrazzo aussteigen und zu Fuß durch den Parco del Peralto (Peralto Park) nach Righi zurückkehren oder bis Sant’Olcese weiterfahren, ein sehr beliebter Ort, denn dort wird die von den Ligurern am meisten geschätzte Salami hergestellt, von zwei gut gerüsteten Wurstwarengeschäften, die mit Würsten in den Kampf ziehen. Und “Saubohnen und Salami” mit einem anständigen Stück Schafskäse aus Sardinien und einem Glas Rotwein ist dann wirklich die typische Mahlzeit für den Ausflug mit dem Züglein, und sie muss konsequent in Gesellschaft verzehrt werden!

fave-e-salame-sant-olcese

 

 

10- Pesto zubereiten lernen

Das klassische genuesische Gericht ist ohne Frage Nudeln mit Pesto.

Traditionsgemäß sind die sieben Zutaten des “offiziellen” Pesto auf Genueser Art:

Basilikumblätter aus Prà (die kleineren). Das vorgesehene Basilikum stammt üblicherweise aus Anbauten in den Höhenlagen von Pra’, einem Stadtviertel von Genua. Dieses Basilikum hat derzeit das Prädikat “geschützte Herkunftsbezeichnung”.

Extrareines Olivenöl aus ligurischen Oliven. Das in Ligurien hergestellte Öl ist typischerweise mild (es “kratzt” nicht und bleibt nicht im Rachen kleben).

Italienische Pinienkerne.

Parmigiano-Reggiano- oder Grana Padano-Käse.

Sardischer Schafskäse “Fiore Sardo”.

Knoblauch aus Vessalico (Ortschaft in der Provinz Imperia), der unter anderem weniger stark und leichter zu verdauen ist.

Grobkörniges Meersalz.

pesto

Traditionsgemäß wird der Pesto mit einem Marmormörser und einem Holzstößel zubereitet. Überaus wichtig ist die Verwendung qualitativ hochwertiger Zutaten, denn diese allein weisen die Charakteristiken auf, die am Ende einen optimal ausgewogenen, erstklassigen Geschmack garantieren.

Für echte Kochbegeisterte, die es nicht nur lieben, Delikatessen zu essen sondern sie auch zubereiten möchten, gibt es das Restaurant “Il Genovese”.

Roberto Panizza, der Inhaber des Restaurants und auch Organisator der campionati mondiali di pesto al mortaio (Weltmeisterschaften im Pesto mit Mörser) hält Kurse über Pesto mit Mörser ab. Eine außergewöhnliche Person, die Ihnen Geheimnisse und Kniffe verrät, wie Sie auch zu Hause diese exquisite Soße zubereiten können.

pesto_genovese

Wenn Sie alle Kniffe beherrschen, können auch Sie als Kandidat am Campionato Mondiale di Pesto al Mortaio, teilnehmen. Was meinen Sie dazu?

Genua erleben: 10 Erfahrungen ultima modifica: 2014-07-02T12:19:54+00:00 da admin

Noch keine Kommentare

Kommentar verfassen